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Versuch, eine Definition zu schreiben...

Gothic hat extrem viel mit Ästhetik zu tun; manche glauben sogar, dass die Szene nur aus ästhetischen Gründen existiere. Ich sehe das anders: Die meisten Menschen empfinden unsere Ästhetik nicht als ästhetisch. Das ist Fakt. Sie sehen es als abstossend, morbide, krank, kaputt an und im Grunde genommen haben sie recht: Unsere Kunst ist abstossend, morbide, krank und kaputt - aber genau das fasziniert uns ja daran. Also wie kommen wir und die paar Sympathisanten dazu, ausgerechnet das, was uns abstossen müsste, zu lieben, zu leben und zu zelebrieren?
Hier geht die Einstellung Gothic meiner Meinung nach eben tiefer, auch wenn so manchem das anfangs nicht bewusst ist (wars mir auch nicht)...

Gothic hat extrem viel mit Dunkel, Tod, Leid, Schmerz zu tun. Im Gegensatz zum Klischee sehe ich aber nicht, dass wir nur das Negative und Dunkle im Leben sehen - nein, im Gegensatz zum Rest der Welt sehen wir AUCH das und leben die radikale Akzeptanz der Schattenseiten des Lebens. Allerdings stolpern wir dabei immer wieder über die Gesellschaft und die menschliche Eigenschaft, das Negative ausklammern und nur das Positive sehen zu wollen. Das merkt man in Gesprächen mit anderen Menschen: Kaum lenkt man auf etwas "krankere" Themen, versucht sich beispielsweise auf philosophischer Ebene mit dem Thema Nekrophilie auseinanderzusetzen und es aufzuschlüsseln, werden die Gesprächspartner rar. Ist natürlich ein heftiges Thema - aber genau darum geht es: "Mir ist das zu heftig / zu dunkel / zu unangenehm, reden wir über was anderes".
Erst daraus entsteht in meinen Augen das Klischee, wir wären ständig suizidgefährdet, deprimiert und Schwarzseher, ausserdem natürlich kranke Babyfresser und wer weiss was noch alles.

Dass man so wird und nicht wie die anderen auf der Happy-Seite bleibt, kann verschiedenste Ursachen haben. Ich denke, dass ein Teil davon sozusagen "seelisches Erbgut" ist; man muss etwas in sich tragen, das sozusagen "gezündet" werden kann. Der Rest ist das Leben - sei es einfach nur, wie ich beschrieben habe, dass man eben anders tickt und das auch merkt, oder dass man so richtig viel Scheisse im Leben erlebt hat und deshalb einsehen musste, dass es auch die Schattenseiten gibt, oder wie auch immer jeder in die Szene gerät... das ist sehr individuell.

Der Grund, warum unsere Ästhetik, unser Erscheinungsbild so ist, wie es ist, ist wohl ein Stück weit andauernde Rebellion gegen das Augenverschliessen unserer Umwelt (aber hier fehlen mir noch etwas die Worte, also verzeiht die holprigen Formulierungen). Die Ästhetik, die wir nach aussen tragen, will - zumindest für mich - nichts anderes sagen als "seht her, DAS seid ihr, DAS tragt ihr in euch und genau DAS leugnet ihr jeden Tag".
Die Schönheit im Biest darzustellen bedeutet eben auch, in der Schönheit das Biest darzustellen. Wir sind keine Monster und wer mit uns zu tun hat, merkt das auch. Dennoch ist unser Aussehen oft beängstigend für die meisten Menschen und unsere Kunst hat viel mit Monströsem zu tun. Wenn aber das, was offensichtlich so böse ist, gar nicht böse ist - was mag sich dann hinter dem offensichtlich Guten verbergen, das gar nicht gut wäre?

Gothic ist für mich, auf einen Satz gebracht, der Blick hinter die Scherben der (illusorischen) Realität und der Versuch, den übrigen Menschen diesen Blick ebenso zu ermöglichen.


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